Uwe Rednau arbeitet seit 50 Jahren im selben Unternehmen

50 Jahre im Job - das schaffen nur die wenigsten. Der Herner Uwe Rednau gehört dazu. Seit einem halben Jahrhundert ist er bei Reifen Stiebling.

Im zarten Alter von 14 Jahren fangen Jugendliche heutzutage ganz langsam an, sich mit ihrer beruflichen Zukunft zu beschäftigen. Ein Berufserkundungstag hier, ein Praktikum dort. Uwe Rednau hatte dagegen mit 14 Jahren seine Entscheidung bereits getroffen. Er unterschrieb einen Ausbildungsvertrag beim Herner Reifenhändler Stiebling. Nun feiert er Goldenes Jubiläum. 50 Jahre hält Rednau dem Unternehmen nun die Treue. Sein erster Arbeitstag war am 2. Juli 1973.

„Kannst anfangen, musst aber arbeiten“

Nach der achten Klasse habe er keine Lust mehr auf die Schule gehabt, sein Vater habe ihm aber klar gemacht, dass er nicht Zuhause rumsitzen könne: „Geh mal arbeiten.“ Also schaute sich Uwe nach einer Lehrstelle um - und fand sie bei Stiebling. Eingestellt habe damals ihn Alfred Stiebling senior. Das Einstellungsgespräch muss denkbar knapp ausgefallen sein. Jedenfalls erinnert sich Rednau daran, dass sein Chef so etwas sagte wie: „Kannst anfangen, musst aber arbeiten.“ Klare Ansage. Alfred Stiebling sei hart, aber gerecht gewesen. „Ich hatte vernünftige Chefs, hier war das in Ordnung“, sagt Rednau. Deshalb sei es ihm auch nie in den Sinn gekommen zu wechseln. „Das hat mich nie interessiert.“

Rednaus Erinnerungen sind ein Blick in eine andere Epoche. 4 Mark und 5 Pfennige pro Stunde verdiente er als Lehrling. In den Unterlagen findet sich auch eine Lohnerhöhung aus dem Jahr 1980, als schon Geselle war: 10 Mark pro Stunde. Aber das war ja auch eine Zeit, in der die Kugel Eis 20 Pfennig gekostet hat.

Uwe Rednau hat Generationen von Autos kennengelernt

Rednau hat in diesem halben Jahrhundert nicht nur vier Stiebling-Generationen kennengelernt, sondern auch Generationen an Autos und natürlich Reifen: Käfer, Kadett oder Ascona hießen die Modelle zu seinen Anfängen. Rednau weiß noch heute, welche Schraube er damals lösen musste, um an einem Citroen die Reifen zu wechseln. Die Felgen von Fiat habe man auf einer Heizung anwärmen müssen, weil sie sonst zu „knochenhart“ gewesen seien, um sie zu montieren.

Und die meisten Reifen hatten noch Luftschläuche. „Damals wurde viel mehr repariert als heute“, erzählt der gebürtige Wanne-Eickeler im Gespräch mit der Herner WAZ-Redaktion. Weil die Rohstoffe knapp waren. Das habe so funktioniert wie bei Fahrradschläuchen. Flicken auf das Loch, vulkanisieren - wieder losfahren. Terminvereinbarungen waren damals unbekannt, die Kunden wurden schön der Reihe nach bedient. Und wenn es sein musste, zum Beispiel bei einem Wintereinbruch mit Schnee und Eis, bis Mitternacht.

Notenblätter von Karajan gefunden

Damals wurden bei Stiebling - im Gegensatz zu heute - auch Pkw-Reifen runderneuert. „Die Kunden haben ihre abgefahrenen Reifen abgegeben und konnten sie nach drei Tragen wieder abholen“, erzählt Christian Stiebling, der dritte Chef, den Rednau erlebt hat. Die Arbeit sei damals eine ganz andere gewesen, so Rednau. Es habe nicht so viel maschinelle Hilfe gegeben, „aber damals waren wir ja auch noch jung“. Und die Reifen seien nicht so groß und schwer gewesen wie jetzt.

Wer abertausende Reifen demontiert und wieder montiert, der erlebt natürlich ungewöhnliche Dinge. Rednau kann sich an eine Limousine erinnern, in der er mal Notenblätter gefunden hat - der Wagen hatte Stardirigent Herbert von Karajan gehört.

Firmenphilosophie: Die Menschen stehen im Mittelpunkt

Nach dem goldenen Jubiläum winkt bereits der Renteneintritt. Am 1. August ist es soweit, bei der langen Lebensarbeitszeit selbstverständlich ohne Abschläge. Allerdings ist Rednaus letzter Arbeitstag bereits am 11. Juli - man kennt das: Überstunden, Resturlaub. Dann wolle er sich erstmal ausruhen. Und wer weiß: Vielleicht gibt es ja ein Wiedersehen mit seinem Unternehmen. In der Hochsaison der Reifenwechsel im Frühling und im Herbst kann der heutige Seniorchef Christian Stiebling helfende Hände gut gebrauchen.

Dass neben Rednau auch diverse andere Mitarbeiter weit länger als 40 Jahre im Unternehmen sind, bestärkt ihn in seiner Firmenphilosophie: Die Menschen stünden im Mittelpunkt. Das mache sich bemerkbar: Er könne - im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen - alle seine Ausbildungsstellen besetzen und habe sogar mehr Bewerber als Stellen.

 

Quelle: waz.de