Firma aus Herne entwickelt Reifen, die CO2 einsparen

Artikel aus der Welt am Sonntag:

Reifen Stiebling aus Herne im Ruhrgebiet hat ein Reifenmodell mit geringerem Rollwiderstand entwickelt - warum das gut für die Betreiber großer LKW-Flotten und zugleich gut für die Umwelt ist.

Die Firma Reifen Stiebling wurde 1929 in Herne gegründet. Und seither setzt das Familienunternehmen auch auf die Runderneuerung abgefahrener Reifen. Dazu werden von spezialisierten Mitarbeitern die Reste des noch vorhandenen Profils aufgeraut, anschließend ein neuer Laufstreifen angebracht und in einem Ofen vulkanisiert.

Der Reifen ist dann wieder fit für den Einsatz. So wie ein guter Schuh, den man noch einmal neu besohlen lässt, heißt es bei Reifen Stiebling.

Doch das arbeitsintensive Verfahren lohnt sich bei Pkw-Reifen seit den 70er-Jahren wegen der vielen unterschiedlichen Breiten und Höhen nicht mehr. Bei Lkw-Reifen sieht das anders aus, dort dominieren weniger Größen, die 70 bis 80 Prozent des europäischen Marktes abdecken.

Verkaufsleiter Hubertus Mönkemöller fragte sich vor ein paar Jahren, warum Baustellenfahrzeuge immer so grobstollige Reifen haben müssen. Mit einer Partnerfirma aus Österreich entwickelten die Herner eine rollwiderstandsreduzierte Variante, durch die zwei bis drei Liter Diesel auf 100 Kilometer im durchschnittlichen Baustelleneinsatz eingespart werden könnten.

„Das ist für die Betreiber großer Lkw-Flotten ein erhebliches Potenzial“, sagt der 30-Jährige Alexander Stiebling, der die Geschäfte mit seinem 63- jährigen Vater Christian Stiebling führt. Dem neuen Lkw-Reifen für den Nah- und Fernverkehr, der auch für den leichten Baustelleneinsatz gut geeignet, gaben sie den Namen „Malocher“. Der Name passe gut zum Ruhrgebiet, wo die meisten Kunden sitzen.

Je nach Abnehmer kostet ein runderneuerter „Malocher“ 259 bis 300 Euro und ist damit 30 bis 50 Prozent günstiger als ein Neureifen. Zudem gehe die Widerstandsfähigkeit nicht zu Lasten von Rollwiderstand und Geräuschemissionen.

Darüber hinaus schon das Verfahren auch noch Ressourcen. Bei der Herstellung der derzeit jährlich 12.000 runderneuerten Reifen würden insgesamt runde 684.000 Liter Erdöl im Vergleich zu neuen Lkw-Reifen eingespart, sagen die Stieblings.

Rund 20.000 runderneuerte Reifen würden Vater und Sohn gern jährlich „backen“, dazu suchen sie noch in der Region ein geeignetes Grundstück. Denn der Markt für regionale Anbieter, da sind sich Alexander und Christian Stiebling sicher, dürfte in den kommenden Jahren weiter stark wachsen.