Auf neuen Pfaden zu guten Arbeitskräften

Ein Doppelpass für die Auszubildenden. Reifen Stiebling kooperiert mit dem TuS Haltern bei der Gewinnung von Nachwuchs. Den jungen Menschen soll eine berufliche Perspektive eröffnet werden

 

Wenn die U19-Fußballmannschaft des TuS Haltern bei Spielen aufläuft, dann prangt der Schriftzug Reifen Stiebling auf den Trikots der jungen Männer. Dies soll selbstverständlich die Bekanntheit des Herner Unternehmens steigern, doch es gibt noch einen anderen Grund für diesen Doppelpass zwischen Verein und Unternehmen: die Rekrutierung von Auszubildenden.

Denn die - und die Gewinnung von Fachkräften - gestalte sich seit einigen Jahren immer schwieriger, erzählt Firmenchef Christian Stiebling im Gespräch mit der WAZ-Redaktion. Die Gründe: Das Handwerk und insbesondere der Reifenhandel litten unter schwindender Attraktivität, immer mehr junge Menschen strebten an die Hochschulen. Hinzu komme, dass der Reifenmechaniker zu den aussterbenden Ausbildungsberufen gehöre. Diese Entwicklung spiegele sich darin, dass eine Berufsschule in Gelsenkirchen geschlossen worden sei, seitdem müssten die Azubis zum vierwöchigen Blockunterricht. In dieser Zeit würden zahlreiche von ihnen die Lehre hinschmeißen. Stiebling: „Wir versuchen mit verschiedenen Instrumenten dagegen zu steuern, eins davon ist die Kooperation mit Sportvereinen.

Im Falle der U19 des TuS Haltern lässt sich der Erfolg der Kooperation in Zahlen ablesen: Drei Spieler der Mannschaft sind in unterschiedlichen Filialen und Bereichen in der Ausbildung, einer absolviert zurzeit ein Jahrespraktikum.

Der Trainer der U19-Mannschaft sieht die Zusammenarbeit mit Stiebling und anderen Unternehmen als Instrument, um die jungen Männer auf das Berufsleben vorzubereiten, denn keiner von ihnen werde den Sprung ins Profigeschäft schaffen, um mit dem Ball seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Der Trainer hat in dieser Hinsicht ausgezeichnete Expertise, schließlich handelt es sich um keinen anderen als Christoph Metzelder, selbst Profi bei Borussia Dortmund, Schalke 04 und Real Madrid und Vize-Weltmeister 2002.<foto-online attr1="InlinebildLinks" channel="DERWESTEN" class="InlinebildLinks"> </foto-online><inline-foto-bildzeile></inline-foto-bildzeile>

<s1>Ein Geschäftszweig bei Reifen Stiebling ist die Runderneuerung, hier bei der Aktion „WAZ öffnet Pforten“.</s1> <s2>Foto: </s2><foto-quelle>Ralph Bodemer</foto-quelle>

Jeder muss seine Leistung bringen

Wie diese Kooperation in der Praxis funktioniert, offenbart das Beispiel von Omar Demir. Der hatte schon bei Stiebling als Auszubildender zugesagt. Doch er hatte einen Gedankenfehler begangen. Er hatte für den gewerblichen Bereich zugesagt, also als Mechaniker, doch eigentlich wollte er in den kaufmännischen Bereich. Deshalb sagte er wieder ab. Unter normalen Umständen hätte Christian Stiebling keine zweite Chance gegeben, in diesem Fall kontaktierte er Christoph Metzelder und fragte, was los sei. Das Missverständnis klärte sich auf, Omar Demir steckt in der Filiale in Castrop-Rauxel in der Ausbildung zum Großhandelskaufmann.

Eine Sache stellen Metzelder und Stiebling klar: Es gehe nicht darum, jemanden einfach nur unterzubringen, der ansonsten beruflich wenig bis keine Perspektiven habe. In dieser Hinsicht waren der DSC Wanne-Eickel und das Bauunternehmen in vergangenen Jahrzehnten ein nicht ganz so leuchtendes Beispiel. „Wir machen die Tür auf, durchgehen müssen die Jungs alleine und sie müssen ihre Leistung bringen wie alle anderen Auszubildenden auch“, betonen Metzelder und Stiebling. Denn irgendwann sei die schützende Hand des Sports weg.

 

Für Christian Stiebling ist diese Kooperation eine Blaupause für die Zukunft, er will die Zahl der Auszubildenden von zurzeit 20 in Zukunft auf etwa 30 steigern.

 

WAZ HERNE